Leid und Gebet

21.01.06


Wenn Rabi Levi Jizchak in der Passah-Haggada an die Stelle von den vier Söhnen kam, an den, «der nicht zu fragen weiß», pflegte er zu sagen: «Der nicht zu fragen weiß, das bin ich, Levi Jizchak von Berditschew. Ich verstehe dich nicht zu fragen, Herr der Welt, und wenn ich's verstünde, ich brächte es doch nicht fertig. Wie könnte ich mich unterfangen, dich zu fragen, warum alles so geschieht, wie es geschieht, warum wir aus einem Exil ins andre getrieben werden, warum unsere Widersacher uns so peinigen dürfen! Aber in der Haggada wird zum Vater des Frageunkundigen gesprochen: <Eröffne du es ihm!> Sie beruft sich auf die Schrift, in der geschrieben steht: <Ansagen sollst du es deinem Sohn!> Und ich bin ja, Herr der Welt, dein Kind. Nicht darum bitte ich dich, daß du mir die Geheimnisse deines Weges enthüllst - ich könnte sie nicht ertragen. Aber das eröffne du mir, tiefer, klarer, was dies hier, das jetzt eben geschieht, mir meint, was es von mir fordert, was du, Herr der Welt, mir damit ansagst. Ach, nicht warum ich leide, will ich wissen, nur ob ich dir zu Willen leide.»