Die Erscheinung

05.01.06


Rabbi Meir von Primischlan erzählte: «In meiner Jugend sehnte ich mich sehr, daß mir Elija erscheine. Als ich es meinem Vater sagte, beschied er mich: <Lerne nur eifrig, so wirst du ihn sehen.> Vier Wochen lernte ich von früh bis spät. Dann sagte ich es wieder meinem Vater. <Geh lernen!> antwortete er. Einst saß ich im Lehrhaus über einem Buch, da kam ein Mann in Lumpen herein, ein schweres Bündel auf den gebeugten Schultern, das Gesicht ganz vom wirren Haupt- und Barthaar bedeckt. <Darf ich hier meine Last abladen und von meinem langen Weg ausruhn?> fragte er. <Lieber Jude>, sagte ich, <dies ist keine Herberge.> Er wiederholte: <Ich bin müde von meinem langen Weg.> Aber ich gab nicht nach, er mußte von dannen ziehen. Bald danach trat mein Vater ins Lehrhaus. <Hast du Elija gesehen?> sprach er.»