Der Truthahn

15.12.05

Rabbi Chajim von Zans hatte eine Schar von Armen seiner Stadt ausgewählt, unter die er allmonatlich Geld verteilte, nicht kleine Almosen, sondern jedem so viel, als er zum Unterhalt für sich und die Seinen bedurfte.
Einmal hatte am Markttag ein Geflügelhändler einen ungewöhnlich schönen Truthahn nach Zans gebracht. Er trug ihn sogleich in des Rabbis Haus und bot ihn dessen Frau für den Sabbattisch; der aber war der Preis zu hoch, und so mußte der Mann den kostbaren Vogel wieder mitnehmen. Nach einiger Zeit erfuhr die Frau, daß den Hahn einer der Gabenempfänger ihres Mannes erstanden hatte. «Sieh dir deine Armen an!» klagte sie ihm. «Ich habe das Tier nicht kaufen können, weil es mir zu teuer war, er aber hat es gekauft!» - «Also braucht dieser Mann», sagte der Zaddik, «auch einen guten Truthahn für den Sabbat. Bisher habe ich es nicht gewußt. Von jetzt an aber, da ich es weiß, muß ich sein Monatsgeld erhöhen.»