Der Empfänger
21.12.05
Ein Mann in Sussjas Stadt sah, daß er sehr arm war, und legte ihm jeden Tag im Bethaus einen Zwanziger in den Tefillinbeutel, damit er sein und der Seinen Leben zu fristen vermöchte. Seither wuchs der Wohlstand des Mannes von Mal zu Mal. Je mehr er besaß, um so mehr gab er Sussja, und je mehr er ihm gab, um so mehr besaß er. Einmal besann er sich aber, daß Sussja ein Jünger des großen Maggid war, und es geriet ihm in den Sinn: wenn schon die Gabe an den Schüler so vielfältig belohnt werde, welch ein Reichtum würde über ihn kommen, wenn er den Meister selbst beschenkte! So fuhr er nach Mesritsch und erwirkte von Rabbi Bär mit vielen Bitten, daß er eine ansehnliche Gabe von ihm annahm. Von diesem Augenblick an schwand sein Wohlstand mehr und mehr, bis aller Gewinn der gesegneten Zeit dahin war. Da kam er in seiner Betrübnis zu Rabbi Sussja, erzählte ihm alles und befragte ihn, was dies sei: habe doch er selbst ihm gesagt, daß der Meister unmeßbar größer sei als er. Sussja antwortete ihm: «Sieh, solang du gabst und nicht hinsahst, wem du gibst, sondern Sussja war dir recht oder ein andrer, so lange gab auch G"tt dir und sah nicht hin. Als du aber begannst, dir edle und auserlesne Empfänger zu suchen, tat G"tt desgleichen. »