Das Vogellied
29.01.06
Man fragte den Sadagorer am «Sabbat des Lieds», dem Sabbat, an dem das Lied aus der Thora verlesen wird, das Mose und Israel am Schilfrneer sangen: «Warum ist es an diesem Tage Brauch, den Vögeln Buchweizengrütze zu streuen?» «Ein König», antwortete er, «ließ sich abseits von allen seinen Palästen ein kleines Lusthaus bauen, wo er allein sein konnte. Da hatte niemand Zutritt zu ihm, und auch keiner seiner Diener durfte darin verweilen. Einzig ein Singvogel teilte den Raum mit ihm, und der König lauschte seinem Lied, das ihm lieber war als alles Spiel der Spielleute. In der Stunde, da das Schilfrneer gespalten wurde, lobsangen alle Engel und Seraphim dem Herrn. Er aber lauschte dem Lied des Vögleins Israel. Darum wird heute den Vögeln Speise bereitet.»