Das Gefäß

23.01.06

Ein Schüler des Kozker Rabbis erzählte im Alter, kurz vor dem eigenen Tod: «lch will euch den ersten Spruch mitteilen, den ich vom Rabbi gehört habe. Viele hörte ich nach diesem von ihm, aber mit dem einen hat er mein Herz für immer entzündet. Es war an einem Sabbatabend beim Weihesegen. Der Rabbi saß in seinem hohen Stuhl mit verwandeltem Gesicht, als sei ihm die Seele aus dem Leibe gegangen und schwebe nur noch um ihn. Mit großer Entschiedenheit streckte er die Hände aus, goß uns über die unsern das Wasser zum Segensspruch, sprach den Segen über das Brot und brach es.

Dann redete er so: <Weise, Forscher, Denker gibt's in der Welt. Alle forschen und denken sie dem Geheimnis Gottes nach. Aber was können sie davon erfahren? Nicht mehr als sie der Stufe der Vernunft nach zu fassen vermögen. Aber das Volk der Söhne Israel, geheiligt sind sie - sie haben ein Gefäß, das ist das gebotene Tun, damit können sie mehr fassen als ihrer Stufe nach, bis zur Stufe der Dienstengel. Das ist jenes Wort am Sinai: <Wir wollen tun und wollen hören. Mit unserm Tun hören wir.> »