Als G"tt die Welt erschaffen hatte
28.01.06
Als G"tt die Welt erschaffen hatte, freute er sich über alle seine Werke. Jedes Wesen hatte seine Bestimmung, und alle Geschöpfe lebten fröhlich in ihrer Eigenart. Nur das Lamm lag traurig vor dem Throne G"ttes und konnte die Freude der anderen Geschöpfe nicht teilen. G"tt bemerkte das Leid des Lammes und fragte es: «Was fehlt dir, dass du so traurig und niedergeschlagen bist?»
«Ach, mein G"tt», antwortete das Lamm seufzend, «wie kann ich vergnügt und fröhlich sein, wenn ich schwach und hilflos bin. Warum bin ich so anders unter deinen Geschöpfen? Warum gabst du mir nicht Waffen zur Verteidigung wie allen anderen Tieren? Spitze Hörner und scharfe Klauen, kräftige Rüssel und giftige Zähne, schnelle Beine und breite Flügel haben andere Tiere. Sie alle können sich retten durch Klettern und Laufen, Fliegen und Tauchen, Beissen und Stechen, Fangen und Rauben. Aber ich bin wehrlos in grossen Welt und der Willkür meiner Feinde ausgesetzt.»
G"tt hörte die Klagen des Lammes und gab ihm recht: «Ich überlasse dir die Wahl. Möchtest du Krallen, Nägel, scharfe Zähne, ein Geweih oder Rüssel, Flügel oder Flossen?» - «Ach nein, mein G"tt. Solche gefährlichen Waffen verletzen. Ich möchte dich um die besseren Waffen bitten, mit denen ich das Böse und den Feind wirklich überwinden kann!» - «Deine Bitte ist gerecht, darum will ich sie dir erfüllen. Ich gebe dir hiermit die besten Waffen, mit deren Hilfe du alles überwinden und besiegen kannst!» Und G"tt gab dem Lamm seine besten Gaben, nämlich Sanftmut, Hingabe und Geduld.
(Nach einem jüdischen Märchen)